Title Image

Berufs-Ethik

Berufs-Ethik der Berufsvereinigung Biografiearbeit auf Grundlage der Anthroposophie e.V. (BVBA)

Stand: Änderungsbeschluss in der Mitgliederversammlung 30.04.2016

I. Grundlagen

1. Das Menschenbild

Grundlage der anthroposophischen Biografiearbeit ist das Menschenbild Rudolf Steiners, in der die menschliche Individualit├Ąt als ein Wesen angesehen wird, das aus wiederholten Erdenleben kommend, in dieser Erdenverk├Ârperung sein Schicksal erlebt und zugleich auch frei gestalten kann.

2. Individualit├Ąt und Freiheit

Die menschliche Individualit├Ąt ist die seelisch-geistige Wesenheit in ihrer unverwechselbaren Einzigartigkeit. Die W├╝rdigung und Wertsch├Ątzung dieser Einzigartigkeit erscheint in der v├Âlligen Anerkennung des So-Seins eines jeden Menschen und verwirklicht sich in der Wahrung seiner Freiheit.

3. Gleichheit und Br├╝derlichkeit

Gleichheit beruht auf der bedingungslosen Anerkennung des Menschseins des jeweils Anderen.
Aber nicht jeder Mensch hat die gleichen Bed├╝rfnisse und Voraussetzungen. Damit wird Br├╝derlichkeit Grundlage f├╝r das menschliche Handeln.

Die Biografieberatung findet hier ihren Grund und Ausgangspunkt: Menschen zu begleiten  in ihren individuellen Lebensfragen.

Vorrede zur Berufs-Ethischen Selbst-Verpflichtung

Ethisch-moralische Grunds├Ątze gr├╝nden in der Gewissensfreiheit und Verantwortung des einzelnen Menschen. Deshalb sind die Grunds├Ątze der Berufs-Ethik in der Ich-Form formuliert, um der Freiheit der menschlichen Individualit├Ąt und der mit ihr verbundenen Gewissensfreiheit und Selbstverantwortung gerecht zu werden.

Im Bewusstsein dessen und vor dem Hintergrund des anthroposophischen Menschenbildes verpflichten sich die Mitglieder der Berufsvereinigung Biografiearbeit zu folgenden gemeinsam getragenen berufs-ethischen Grunds├Ątzen.

II. Berufs-Ethische Selbst-Verpflichtung

1. Freiheit und W├╝rde

Ich wahre die Freiheit und die W├╝rde des anderen Menschen.

2. Verantwortung

Ich bin mir meiner Verantwortung f├╝r mein Denken, F├╝hlen und Handeln dem ratsuchenden Menschen wie auch der Geistigen Welt gegen├╝ber bewusst.

3. Unversehrtheit

Ich wahre die k├Ârperliche, seelische und geistige Unversehrtheit des ratsuchenden Menschen.
Sp├╝re ich jedoch, dass ich eine angemessene Distanz nicht mehr souver├Ąn aufrecht erhalten kann, so gebe ich den Beratungsauftrag zur├╝ck.

4. Wahrhaftigkeit und Authentizit├Ąt

Ich bem├╝he mich um Wahrhaftigkeit dem zu beratenden Menschen gegen├╝ber und um Authentizit├Ąt.
Sobald ich un├╝berwindliche Grenzen meiner eigenen M├Âglichkeiten und F├Ąhigkeiten erkenne, gebe ich den Beratungsauftrag an den ratsuchenden Menschen zur├╝ck und empfehle – wenn m├Âglich – andere Kolleg*innen und Fachleute f├╝r die Weiterarbeit.

5. M├Âglichkeiten und Grenzen

Ich achte die M├Âglichkeiten und Grenzen des ratsuchenden Menschen, wie auch sein Eingebundensein in famili├Ąre, berufliche, gesellschaftliche, kulturelle und religi├Âse Zusammenh├Ąnge.

6. Grundhaltung

Ich bem├╝he mich um Unvoreingenommenheit, Unbefangenheit und Wohlwollen und ich verzichte auf Vermutungen, Behauptungen, Urteile und Bewertungen.

7. Transparenz

Ich schaffe Transparenz in Bezug auf meinen beruflichen Werdegang, meine Qualifikationen, meine individuelle Arbeitsweise und die Vorgehensweise im jeweiligen Beratungsprozess.

8. Schweigen

Ich schweige ├╝ber das, was mir in der Beratung anvertraut wird. In Ausnahmen, wie z.B. in der Supervision/Intervision, verh├╝lle ich das Private und Intime des Anderen so, dass der konkrete Mensch, von dem die Rede ist, auch nicht durch R├╝ckschl├╝sse erkannt werden kann.

III. Selbst-Entwicklung

Ich pflege kontinuierlich Selbsterkenntnis und Selbstentwicklung.
Dazu geh├Âren

  • das Studium der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners
  • die Pflege von Achtsamkeit und Meditation
  • berufliche Fortbildung und Supervision/Intervision
  • die kollegiale Zusammenarbeit