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Eindrücke von der Frühjahrstagung der BVBA im Mai 2019

Eindrücke von der Frühjahrstagung der BVBA im Mai 2019

Von Wolfgang Geuer und Gemma Priess

Besondere Orte wollen gefunden werden. Nach längerem Suchen fanden alle 18 angemeldeten BVBA-Mitglieder am Freitagabend die neuen Räume der Fachschule für Sozialpädagogik in der Monumentenstraße 13b in Berlin.

Die Tagung wurde mit unserer gemeinsamen Meditation eröffnet, dann begannen mit einer Eingangsrunde zu der Frage, was im letzten Jahr für jeden Einzelnen in der Biografiearbeit das Wichtigste gewesen war.

Nach dem Abendbuffet, sammelten wir Themen, an denen wir in kleineren Gruppen weiterarbeiten wollten.

Es bildeten sich Arbeitsgruppen zu folgenden Themen:

  1. Die Mondknoten
  2. Neue/moderne Lebens- und Entwicklungswege
  3. Was ist der Unterschied zwischen Biografiearbeit und biografischem Coaching?
  4. Wie beziehen wir die Verstorbenen in die Biografiearbeit mit ein?
  5. Darstellung der Biografiearbeit in der Öffentlichkeit

Nachdem die Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse im Plenum berichtet hatten, wurde zum Abschluss des Abends noch einmal unsere gemeinsame Meditation gelesen.

Am nächsten Morgen begannen wir damit, in „die Füße zu kommen“. Sylke Ober-Brödlin belebte morgens und mittags die Tagung in inniger Weise mit Bewegungsübungen. Sehr bewusst geführte Bewegungen, den ganzen Menschen erfassend; leicht, weil aus dem Rumpf wie von selbst fließend; den Körper zu schönen aber ungewohnten Bewegungen führend, das Denken eben dazu im Anschluss bei der Arbeit einladend.

Die Teilnehmer können nun die Haltung des Pharao einnehmen und wie selbstverständlich „die Rede denken“.

Dann beschlossen wir in den Arbeitsgruppen weiterzuarbeiten, vor dem Mittagessen berichteten die Gruppen im Plenum aus ihrer Arbeit.

Einige Stichworte aus den Arbeitsgruppen:

1.Mondknoten

Qualitäten der Mondknoten: „sich neu erfassen“, ein „Stirb und Werde“, ein „Moment an der Schwelle“.

2.Umgang mit neuen/modernen Entwicklungswegen.

Welche neuen Impulse sprechen sich in den modernen Entwicklungswegen von jungen Menschen heute aus?
Das „Zersplittern“ als Signatur der Gegenwart? Was kann dem entgegengesetzt werden?
„Zuhören und verzichten können“, als Fähigkeiten, die heute mehr denn je von Nöten sind.

3.Unterscheidung Biografiearbeit und biografisches Coaching.

Biografisches Coaching richtet sich mehr auf ein aktuelles Thema, Biografiearbeit geht über das Aktuelle hinaus. Der englische Begriff „Coach“ bedeutet Trainer, ist der Biografiearbeiter vor allem ein „Begegner“?

4.Wie beziehen wir die Verstorbenen in die Biografiearbeit ein?

In dieser größten Arbeitsgruppe tauschten wir uns zunächst über unseren persönlichen Umgang mit dem Thema aus und suchten dann nach Zugängen und Interventionsmöglichkeiten.
Grundsätzlich gilt selbstverständlich, dass der Klient bestimmt, ob er die Verstorbenen miteinbeziehen möchte. Es wurde deutlich, dass diese Frage nur individuell und im Einklang mit der Situation, der Offenheit des Klienten und unserer eigenen Fähigkeit beantwortet werden kann. Wir können uns dabei von der eigenen Verbindung mit der Anthroposophie getragen fühlen.
Die gemeinsame Arbeit hat uns ermutigt, dieses Thema mehr zu beachten, denn bei fast jedem Klienten spielen Verstorbene eine Rolle.

5.Darstellung der Biografiearbeit in der Öffentlichkeit

Über diesen Punkt entspann sich zunächst, da er nur von wenigen gewählt wurde, ein Disput mit der Essenz: in unserer Arbeit brauchen wir beides:
Die innere Substanzbildung durch Arbeit an den Inhalten einerseits und die Präsenz in der Öffentlichkeit andererseits.

Am späten Nachmittag fand die 13. ordentliche Mitgliederversammlung statt. Der Tag endete mit der Präsentation von drei Postkarten, mit denen wir die Menschen auf die Berufsvereinigung aufmerksam machen können.

„Was für ein herrliches Leben hatte ich! Ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt.“ Colette – Wer’s rechtzeitig bemerken will: www.biographiearbeit.de


Auch am Sonntag begannen wir damit, „in die Füße zu kommen“ und unsere gemeinsame Meditation wurde gelesen und besprochen. Dann blickten wir in der großen Runde auf unsere Arbeit zurück und versuchten zu einer Essenz zu kommen.

Ausblick und Spots:

Die Lemiskate, aus der Tagung in Berlin 2018 hat sich verwandelt:
Aus der zweifachen Bewegung: Substanzbildung nach Innen – ausstrahlen nach außen, ist eine dreifache geworden:

  1. Die Aufmerksamkeit nach außen richten und hören, wonach die Zeit, die Gesellschaft, die Menschen, denen wir begegnen, fragen.
  2. Die Zeitfragen verinnerlichen und Substanz in uns und zwischen uns bilden.
  3. Nach außen sichtbar werden, die Biografiearbeit zur Verfügung stellen.

Im Kontakt mit anderen Menschen prägt jede Biografieberaterin, jeder Biografieberater immer auch das Bild, was sich die Menschen von der Biografiearbeit auf anthroposophischer Grundlage machen. Insofern ist jede Biografieberaterin, jeder Biografieberater immer auch Öffentlichkeitsarbeiter, -arbeiterin.

Bleibt der Ausblick auf die nächste Tagung:
Im Herbst in Hannover zum Schulungsweg des Biografieberaters, mit den 12 Eurythmie-Übungen und einer Wahrnehmungsübung an einem Werk im nahen Sprengel-Museum.