Eine eigene Sektion für die Biographiearbeit?
ITF-Mitglied Joop Grün wünscht sich eine neue Verankerung am Goetheanum
Nach der Worldwide Biography Conference (WBC) wurde 2003 das Internationale Trainer Forum (ITF) am Goetheanum gegründet. Ziele des Forums sind unter anderen die kollegiale Intervision, Evaluation und Anerkennung zertifizierter Ausbildungsprogramme für die professionelle Biographiearbeit auf anthroposophischer Grundlage.
Mit Joop Grün (Foto), einem der Gründungsmitglieder des ITF, sprach Jürgen Vogt nach dem jüngsten ITF-Treffen in Cuenca in Spanien.
Du hast das Forum vor 23 Jahren mit gegründet. Warum braucht es dieses Format?
Das ITF vertritt die Ausbildungen. Das Format braucht es, damit die Ausbildungen, durch kollegiale Zusammenarbeit auf ein einheitliches Niveau gebracht werden. Da geht es um professionelle Ausbildungen, aber auch um Austausch, Forschung, praktische Gestaltung, Gemeinschaftsbildung und das Geradestehen für die Biographiearbeit auf anthroposophischer Grundlage.
Wie geht es dem ITF heute?
Sehr gut. Es gibt weltweit 32 Ausbildungen auf fünf Kontinenten, die den Richtlinien entsprechen und anerkannt sind, also etwa dreimal so viele Mitglieder. Das Wichtigste ist, dass sie als Mitglieder der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft und Repräsentanten einer Ausbildung auch öffentlich Mitverantwortung für die Geborgenheit aller Ausbildungen tragen.
Was sind die aktuellen Herausforderungen?
Teilweise ganz praktische, ein Treffen in Präsenz zum Beispiel. Wir haben inzwischen Ausbildungen unter anderen in China und Russland, Brasilien, USA, Israel und Indien – und einmal im Jahr treffen wir uns für drei Tage in Präsenz, entweder im Anschluss an die Welt-Biographie-Konferenz oder am Goetheanum. Das ist verbunden mit langen Anreisen und auch erschwerten Umständen in einigen Ländern, die eine Teilnahme unmöglich machen. Dazu kommen noch die Herausforderungen der verschiedenen Sprachen und Kulturen, die Konferenzsprache ist Englisch.
Vor ein paar Wochen haben sich die ITF-Mitglieder nach der WBC in Cuenca in Spanien getroffen. Wie war die Stimmung?
Die war sehr gut. 26 der 32 Ausbildungen waren vertreten, davon vier neue Mitglieder aus Russland, Argentinien, Portugal und Spanien.
Die Biographiearbeit hat ihren Hafen in der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion (AAS). Ist sie dort zu Hause oder fühlt sie sich als Stiefkind?
Wir haben die Zusammenarbeit mit der AAS angestrebt. Viele Jahre wurde diese Sektion durch den Vorstand vertreten, da gab es viele persönliche Kontakte, auch Teilnahmen an unseren Sitzungen und die Menschen dort hatten ein gutes Ohr für uns. Die Biographiearbeit als Beruf ist neu, kommt aus der Zukunft, das wurde verstanden, anerkannt und unterstützt. Die Kriterien für die Anerkennung einer professionellen Ausbildung wurde in Zusammenarbeit verbindlich festgelegt. Inzwischen aber gab es Umstrukturierungen und die AAS hat eine eigene Leitung – und nun ringen wir mit der Frage, ob wir dort gut aufgehoben sind oder ob etwas ganz anderes gut wäre.
Was könnte dieses andere sein?
Ich wünsche mir, dass wir auf eine uns entsprechende Weise Gehör finden am Goetheanum und wie auch andere Berufsfelder dort direkt vertreten sind – und das könnte eine eigene Sektion bedeuten.
Was wünschst Du dir für die Biographiearbeit in der Zukunft?
Das ITF bündelt derzeit die Ausbildungen und lädt ein zum Dialog und Zusammenarbeit mit der AAS; aber wir vertreten nicht die ganze Bewegung der Biographiearbeit; ich wünsche mir, dass wir es zustandebringen, einen weltweiten Zusammenschluss und zivile Anerkennung des Berufes zu erreichen. Einige Schritte dazu sind gemacht, zum Beispiel sind in vielen Ländern Berufsverbände entstanden. Und es gibt eine Website, www.biographywork.global, wo man sich über die weltweite Bewegung informieren kann.